Die Frankfurt-Tipp Bewertung: |
Originaltitel: | Nightmare Alley |
Genre: | Drama, Mystery |
Regie: | Guillermo del Toro |
Kinostart: | 20.01.2022 |
Produktionsland: | USA 2021 |
Laufzeit: | ca. 150 Min. |
FSK: | ab 16 Jahren |
Webseite: | www.facebook.com/20thCenturyStudiosD |
Um unterzutauchen, schließt sich der charismatische Stanton Carlisle (Bradley Cooper) einer Gruppe Schausteller an. Neben einfachen Arbeiten lernt er hier auch die Hellseherin Zeena (Toni Collette) und ihren Mann, den Mentalisten Pete (David Strathairn), kennen. Von ihm erlangt Stanton ganz besonderes Wissen, dass er Jahre später dazu nutzt, um sich an der feinen New Yorker Gesellschaft der 1940er zu bereichern. Immer an seiner Seite ist Molly (Rooney Mara), die auch dann zu ihm steht, wenn sie seine Entscheidungen nicht billigt. So etwa, als sich Stanton dazu entschließt, mit Hilfe einer mysteriösen Psychiaterin (Cate Blanchett) den schwerreichen wie skrupellosen Tycoon Ezra Grindle (Richard Jenkins) auszunehmen. Es ist ein scheinbar wasserdichter Plan, bei dem der gewiefte Trickbetrüger allerdings übersieht, wer wirklich die Fäden im Hintergrund zieht…
Mit der Verfilmung des 1946 veröffentlichen Romans "Nightmare Alley" von William Lindsay Greshams hat Oscar-Preisträger Guillermo del Toro ein weiteres kleines Meisterwerk geschaffen. Zugegeben, die Mischung aus Mystery-Thriller und Film Noir hat bei zweieinhalb Stunden Laufzeit einige Längen. Doch nicht nur, dass diese von einem großartigen Ensemble, dem man einfach gerne zusieht, wettgemacht werden. Dem Regisseur gelingt es zudem auch, eine ganz besondere Atmosphäre zu erschaffen, in die man von der ersten Minute an regelrecht hineingezogen wird.
Gerade in der ersten Filmhälfte, die in der Welt des Jahrmarkts spielt, lässt einen del Toro durch Ausstattung und Kameraarbeit, aber auch durch die Musik, Beleuchtung und Farbgebung in diese Parallelwelt eintauchen, die viele Facetten zu bieten hat. Das ist verstörend, familiär, bedrohlich und faszinierend zugleich. In diesem Umfeld wird die Geschichte langsam aufgebaut, wobei sich diese Langsamkeit niemals langweilig anfühlt. Meisterhaft lässt del Toro seine Hauptfigur zu einem skrupellosen Trickbetrüger werden, auf dessen rasanten gesellschaftlichen Aufstieg natürlich ein dramatischer Abstieg folgen muss. Das ist an sich wenig überraschend, doch hier kommt es auf das "wie" an – und das ist wirklich großartig umgesetzt.
"Nightmare Alley" ist auf eine ganz eigene Art sehr spannend und mitreißend. Vor allem aber ist der Film ein visuelles Meisterwerk, das man unbedingt auf einer großen Leinwand gesehen haben sollte. Wer anspruchsvolles Unterhaltungskino mit einem großartigen Cast und faszinierenden Bildern mag, der sollte sich diesen Film nicht entgehen lassen. Absolut sehenswert!
Ein Artikel von Sebastian Betzold